Interview mit Dr. Eva Zeltner, der Erbin des Blalla-Nachlasses, geführt im November 2005, befragt von Pamela Müller-Grüttner.

P. M. G.: Was hat dich bewogen, das Blalla Gute-Kunst- Museum zu bauen?

E. Zeltner: Blalla und ich haben uns entschlossen, ein Gebäude auf meinem Privatgrund zu seinem Museum auszubauen, da er mich auch als Erbin seines künstlerischen Nachlasses eingesetzt hat.

P. M. G.: Wie standest du zu Blalla?

E. Zeltner: Blalla war mein Lebensmensch – frei nach Gottfried Benn, d.h. der Freund, den man nur einmal im Leben trifft.

P. M. G.: Was fasziniert dich an der Kunst Blallas?

E. Zeltner: Das Dramatische im Schönen, das schöne Bild, das gleichzeitig die geballte Ladung zeigt, was Leben sein kann. Er hatte die Fähigkeit seinen Finger genau in die Wunde zu legen, sei sie politisch, theologisch, pädagogisch, oder ganz allgemein; das Idyll, das sich als Horror-Szenario entpuppt.

P. M. G.: Wie hat Blalla ein Bild in der Regel angefangen und wie hat er es geschaffen?

E. Zeltner: Blalla hatte das Bild schon so gut wie fertig im Kopf, bevor er angefangen hat zu malen. Das Faszinierende war, daß er meistens in einer Ecke der Leinwand oder des Zeichenblattes angefangen hat – bevorzugt die Ecke oben links – und dann in der Ecke unten rechts aufgehört hat, und dann das Bild auch komplett fertig war. Blalla hat alle seine Bilder fertig gemalt, also abgeschlossen; es gibt keine Fragmente, außer die beiden, an seinem Todestag begonnenen Gemälde.

P. M. G.: Was sind das für Bilder?

E. Zeltner: Eines heißt „Rotz und Wasser III“, von dem er nur den Untergrund fertig hatte. Es sollte das dritte und letzte Bild der Trilogie „Rotz und Wasser werden, das zweite Fragment ist eine Federzeichnung von meiner Hündin „Sugar“, der Titel sollte heißen: “Sugar weint, weil sie so kurze Beine hat“ (es handelt sich um eine Basset-Hündin).

P. M. G.: Kannst du mir etwas über sein erstes Bild erzählen?

E. Zeltner: Es ist ein kleines Ölbild im Postkartenformat, das die Schneekoppe im Riesengebirge darstellt. Blalla wurde dort in der Nähe geboren und die Familie mußte, als Blalla vier Jahre alt war, von dort flüchten.

P. M. G.: Also ist sozusagen die Erinnerung Blallas an seinen Geburtsort auf Postkartengröße zusammengeschrumpft?

E. Zeltner: Kann man so sagen.

P. M. G.: Du bezeichnest manche Bilder Blallas als „Schlüsselbilder“. Was meinst du damit?

E. Zeltner: Man kann solche Bilder als Psychogramme bezeichnen, z.B. „Lunacy, Der gefesselte Mann, im Tal der Tränen liegend, in Sehnsucht nach der Frau“, oder das Bild, auf dem sich eine Familie gegenseitig abschlachtet und aus der spießigen Wohnung eine Landschaft entsteht, mit der Toteninsel von Böcklin im Hintergrund.

P. M. G.: Könntest du jene Themen beschreiben, die Blalla am stärksten beschäftigt haben?

E. Zeltner: Erstens Filicid, also Kindstötung, aber auch elterliche und kirchliche Erziehung. Zweitens die Abscheulichkeiten des Dritten Reiches. Drittens, die Kirche und das Papsttum. Viertens, Die Abgründe in familiären und sonstigen Beziehungen. Fünftens, Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. und dann die Heuchelei.

P. M. G.: Wie geht das zusammen mit deiner Aussage vom „Schönen Bild“?

E. Zeltner: Man sieht schöne Farben, schöne Formen, teils altmeisterlich gemalt, beeindruckend schön gemalt, aber dahinter immer die ganze Wahrheit und die Abgründe.

P. M. G.: Was wird bei verschiedenen Menschen beim Betrachten der Bilder ausgelöst?

E. Zeltner: Das ganze Spektrum: von großer Begeisterung bis hin zum tatsächlichen Sprung aus dem Fenster war bisher alles dabei… Manche werden einfach nur blaß und ruhig. Blalla läßt niemandem kalt. Gleichgültig bleibt eigentlich niemand.

P. M. G.: Wer waren seine großen Vorbilder in der Malerei?

E. Zeltner: Hieronymus Bosch, Rosseau, Böcklin, Kubin, Schröder-Sonnenstern, van Gogh und Goya hat er sehr geschätzt, aber auch naive Maler wie Bambois, dann Volkskunst, von der Geisterbahn bis hin zur Votivtafel war alles für ihn interessant.

P. M. G.: Hat ihn auch die Natur inspiriert?

E. Zeltner: Ja, sehr, z.B. Wolkenformationen, aber vor allem die Stimmungen in der Natur.

P. M. G.: Zu welcher Kunstrichtung würdest du Blalla zuordnen?

E. Zeltner: Zu keiner. Er steht für sich.

P. M. G.: Wie kam denn Blalla eigentlich zu seiner ganz eigenen Formensprache?

E. Zeltner: Er hat sehr viel gelesen und oft Bilder alter Meister betrachtet, sich mit der Symbolik des Mittelalters und der Zeit danach auseinandergesetzt und in seineBildsprache integriert.

P. M. G.: Wie schätzt du die Bedeutung Blallas Werk für heute ein?

E. Zeltner: Die Themen Blallas werden immer aktueller, so zum Beispiel die „Schwarze Serie“ über das Dritte Reich; Blalla war kein bequemer Künstler, den man sich eben mal in sein Versicherungsgebäude oder ins Kanzleramt hängt. Er wird von offizieller Seite gerne totgeschwiegen, aber an Blalla kommt eigentlch niemand vorbei.

P. M. G.: Was ist dran an dem Gerücht, das jede Ausstellung „Unvorhergesehenes“ ausgelöst hat?

E. Zeltner: Blalla selbst hat gesagt, daß wenn er ausstellt, der Museumsdirektor seinen Posten räumen oder die Galerie dicht machen muß oder sonstigen Repressalien ausgesetzt wird. Eine Ausstellungseröffnung Blallas ist immer eine Sensation und sorgt für Unruhe.